Der Tag, an dem ich Bob Geldof traf…

Oder: Wie ich aus einer scheinbaren Niederlage einen Erfolg machen konnte!

In meinem Büro hängt ein SW-Foto von 1991. Es erinnert mich daran, wie ich aus einer scheinbaren Niederlage einen Erfolg machen konnte.
Zu sehen sind Sir Bob Geldof (Mitinitiator von „Band Aid“) und ein junger Radioreporter… Ja, das bin ich. Dass dieses Interview sehr spontan möglich wurde, machte mir damals ziemlich Stress. Und es wurde für mich zum Symbol dafür, auch in Krisen Chancen zu entdecken.

Die Zusage für das Interview mit Bob Geldof kam völlig überraschend knapp eine Stunde vor dem Termin. Ich hatte absolut nichts vorbereitet. Also was tun? Ich hatte die rettende Idee: Ich schreibe einfach einige Schlagwörter auf und er soll spontan darauf antworten. Zehn Minuten später fühlte ich mich gewappnet und machte mich auf den Weg.
Backstage hing Bob Geldof ultralässig auf einem Sofa, die Füße in Schlangenleder-Cowboystiefeln auf dem Couchtisch, und sah mich ziemlich gelangweilt an. „Let’s start!“, kam die direkte Anweisung von ihm.

Ich bat ihn, spontan auf meine Schlagwörter zu reagieren. „Oh Bullshit!“, brüllte Geldof und warf die Hände hoch. Dann durfte ich mir anhören, dass es immer wieder dasselbe sei mit diesen faulen Reportern. Keine Vorbereitung und er solle nun die ganze Arbeit machen.

💥Bamm! Das hatte gesessen. Absolute Stille im Raum. Verdammt noch mal, er hatte sogar recht. Wobei ich in diesem Fall nicht wirklich etwas dafür konnte.
Nachdem mein Herz vermutlich zwei bis drei Schläge ausgesetzt hatte, zerknüllte ich meinen Zettel und warf ihn demonstrativ über meine Schulter auf den Boden.
Ich hielt ihm das Mikro vor die Nase und fragte ihn: „Sie haben auf ihrem neuen Album den Song ‚Everybody has a hole to fill‘. Ursprünglich war dies ein Musikfragment, das Sie zu dem internationalen Musikprojekt ‚One world-one voice‘ beigetragen haben. Einem Projekt, das Sie mit initiiert haben und bei dem ein Musiktape um die Welt gereist ist. Warum war es Ihnen wichtig, daraus einen ganzen eigenen Song zu machen?“

Es dauerte zwei bis drei Sekunden, ehe er die Frage verdaut hatte. Dann richtete er seinen bisher umherschweifenden Blick auf mich, nahm die Füße von Tisch und lehnte sich mir entgegen. Die Antwort sprudelte nur so aus ihm heraus.
Ich weiß nicht mehr, was er gesagt hat. Ich war so überwältigt von Glücksgefühlen, diese scheinbare Niederlage innerhalb weniger Sekunden in einen Sieg verwandelt zu haben. 🤩

Ausführlicher habe ich die Geschichte in meinem Buch »Dem Erfolg auf der Spur geschildert.