Der Tag, an dem ich Bob Geldof traf…

Oder: Wie ich aus einer scheinbaren Niederlage einen Erfolg machen konnte!

An meinem Whiteboard im Büro hängt ein SW-Foto von 1991. Es erinnert mich daran, wie ich aus einer scheinbaren Niederlage einen Erfolg machen konnte. Zu sehen ist Sir Bob Geldof (rechts), in den 80er Jahren Mitinitiator von „Band Aid“, und ein junger Radioreporter (links)… Ja, das bin ich. Dass dieses Interview sehr spontan möglich wurde, machte mir damals ganz schön Stress. Und es wurde für mich zum Symbol dafür, auch in Krisen Chancen zu entdecken. 

Die ganze Geschichte schildere ich im Buch „Dem Erfolg auf der Spur“ und hier als Auszug auch in meinem Blog:

Mein Volontariat Anfang der 90er Jahre war eine wunderbare Zeit, in der ich viel gelernt habe und unglaubliche Begegnungen hatte. Ich traf die Band die Ärzte, und ich stritt mich mit Farin Urlaub scherzhaft darüber, welcher Sketch aus „Monty Pythons Flying Circus“ der beste sei. „Ministry of silly walks“ oder doch der „Spam“-Sketch? Im Gespräch mit Herbert Grönemeyer ging es um völlig andere Themen, darum, was ihn als Mensch bewegt und wie er diese Themen in seinen Liedern verarbeitet. 

Nachhaltig in Erinnerung geblieben ist mir die Begegnung mit Sir Bob Geldof 1991. Die Zusage für das Interview kam knapp eine Stunde vor dem Termin. Ich hatte absolut nichts vorbereitet. Also was tun? Ich hatte die rettende Idee: Ich schreibe einfach einige Stichwörter auf und er soll spontan darauf antworten. Zehn Minuten später fühlte ich mich gewappnet und machte mich auf den Weg zum PC 69, wo Bob Geldof gerade mitten im Soundcheck war. Wenig später konnte ich in seinen Backstage-Raum. Er hing ultralässig auf einem Sofa, die Füße in Schlangenleder-Cowboystiefeln auf dem Couchtisch, und sah mich ziemlich gelangweilt an. „Hello. Nice to meet You. It‘s a great pleasure for me…“ begann ich, während ich das Aufnahmegerät vorbereitete. „Let‘s start!“ kam die direkte Anweisung von meinem Gegenüber. Klar, los geht‘s. 

» Was dann passierte, werde ich mein Leben nicht vergessen. 

Mit meinem halbwegs brauchbaren Englisch erklärte ich Sir Geldof meinen Plan und begann mit dem ersten Wort auf meinem Zettel. Ich habe komplett vergessen, welches Wort das überhaupt war. Was dann passierte, werde ich mein Leben nicht vergessen. „Oh Bullshit!“, brüllte Geldof auf einmal und warf die Hände hoch. Dann durfte ich mir anhören, dass es immer wieder dasselbe sei mit diesen Reportern. Dass sie sich keine Mühe machen, im Vorfeld mal herauszukriegen, was sie ihn den sinnvolles fragen könnten. Stattdessen machen es sich die Pressefuzzies (ich glaube er benutze zusätzlich noch ein kraftvolles Adjektiv) einfach und lassen ihn die Arbeit machen, zu völligen Belanglosigkeiten seine Meinung zu sagen. Bamm! Das hatte gesessen. Absolute Stille im Raum. Verdammt noch mal, er hatte auch noch Recht. Wobei ich in diesem Fall nicht wirklich etwas dafür konnte. 

» Angriff ist die beste Verteidigung. 

Nachdem mein Herz vermutlich zwei bis drei Schläge ausgesetzt hatte, entschied ich mich spontan für eine Strategie, die sich in meinem Leben schon viele Male bewährt hatte, und das meist auch noch bis heute: Angriff ist die beste Verteidigung. Statt auf diesen Vorwurf einzugehen sagte ich nur: „Ok.“, zerknüllte meinen Zettel und warf ihn demonstrativ cool über meine Schulter auf den Boden. 

Ich hielt Geldof das Mikro vor die Nase und fragte ihn auf Englisch: „Herr Geldof, Sie haben auf-ihrem neuen Album einen Song mit dem Namen ‚Everybody has a hole to fill‘. Ursprünglich war dies nur ein Musikfragment, das Sie zu dem internationalen Musikprojekt ‚One world-one voice‘ beigetragen haben. Einem Projekt, das Sie mit initiiert haben und bei dem ein Musiktape um die Welt gereist ist. Musiker in den unterschiedlichsten Ländern haben einzelne Teile dazu aufgenommen und das Band weiter geschickt. Warum war es Ihnen wichtig, aus den ein bis zwei Minuten aus diesem Projekt einen ganzen eigenen Song zu machen?“ Und Bamm zurück! Da hatte ich ihn. 

Es dauerte zwei bis drei Sekunden, ehe er die Frage verdaut hatte. Dann richtete er seinen bisher umherschweifenden Blick auf mich, nahm die Füße von Tisch und lehnte sich mir entgegen. Die Antwort sprudelte nur so aus ihm heraus. 

» Ich war so überwältigt von Glücksgefühlen, diese scheinbare Niederlage innerhalb weniger Sekunden in einen Sieg verwandelt zu haben. 

Ich habe keine Ahnung mehr, was er gesagt hat. Wahrscheinlich habe ich ihm gar nicht mehr zugehört. Ich war so überwältigt von Glücksgefühlen, diese scheinbare Niederlage innerhalb weniger Sekunden in einen Sieg verwandelt zu haben. Weil ich mutig war und mich nicht gleich geschlagen gegeben habe.