Ist Digitalisierung eine Chance für gesündere Arbeitsplätze?

Diese Frage stand im Mittelpunkt meines jüngsten Vortrags für die BARMER. Und sie hat durchaus einen neurobiologischen neben einem technischen Hintergrund. 

Auf der einen Seite führt der hohe Grad an Technologisierung dazu, dass zwischen der evolutionsbasierten Weiterentwicklung von uns Menschen und unserem gesellschaftlichen und technischen Umfeld eine immer größere Kluft entsteht. Für den unbewusst agierenden Teil unseres Gehirns ist der aufgebrachte Chef oder die böse schauende Kollegin von ihrer Bedeutung her meist nicht vom gern angeführten Säbelzahntiger zu unterscheiden. Also eine echte Bedrohung nicht von einer falsch interpretierten. Auch die Flut an Informationen, die durch Handy und Co. sekündlich auf uns niederprasseln lösen viele unserer unbewussten neurobiologischen Systeme aus.

Aber auf der anderen Seite steht tatsächlich die Chance, die Möglichkeiten der Digitalisierung für gesündere Arbeitsplätze zu nutzen. Was verstehen wir unter Gesundheit? 

„Selbstheilung ist nicht mehr und nicht weniger als ein biologisches Prinzip, das sich in der Evolution als unglaublich erfolgreich erwiesen hat. … Salopp übersetzt: Gesundheit regelt sich von selbst.“ schreibt der Neurowissenschafter und Gesundheitsforscher Prof. Dr. Tobias Esch in seinem Buch „Der Selbstheilungscode“. Folgen wir diesem Gedanken und schauen, was wir Menschen brauchen, um Gesundheit selber regeln zu können, kommen wir zu den vier Säulen der „Mind-Body-Medizin“, die der amerikanische Mediziner Dr. Herbert Benson von der Harvard Medical School begründet hat: 

1) Stressreduzierendes Verhalten
2) Ausreichende Bewegung
3) Regelmäßige innere Einkehr und Entspannung
4) Achtsamer Genuss und gesunde Ernährung

Diese vier Säulen sorgen auch für ein Gleichgewicht im neurobiologischen Motivationskreislauf zwischen den Stress-, Belohnungserwartungs- und Glücks-Systemen. 

Konkret bedeutet das zum Beispiel die Automatisierung stupider Prozesse, Rahmenbedingungen für fokussiertes Arbeiten zu schaffen, mehr menschliche Interaktion und mehr Raum für Kreativität, Innovation und Problemlösung zu ermöglichen.

Die Digitalisierung bietet Unternehmen so die Chance, Arbeitsplätze und -abläufe »hirngerecht« und »menschlich« zu gestalten. Im Kern sollte dabei Stressreduzierung und Entlastung durch Automatisierung stehen. Dadurch werden die Menschen gesünder und so auch leistungsfähiger.

Zu diesem Thema passendes Lesefutter für’s Hirn:

Prof. Dr. Tobias Esch: Der Selbstheilungscode
Dr. Bernd Hufnagl: Besser fix als Fertig
Dr. Manuela Macedonia: Beweg Dich! und dein Gehirn sagt Danke