Wenn die Wahl zur Qual wird

Ich liebe große Supermärkte im Ausland. Da kann ich mich stundenlang in den Gängen aufhalten und Neues entdecken. Doch wenn es darum geht, sich für ein Produkt zu entscheiden… Welches der 125 Olivenöle nehme ich denn jetzt? Eine Gruppe Hirnforscher ist der „Qual der Wahl“ wissenschaftlich auf den Grund gegangen:

Elena Reutskaja (IESE Business School in Barcelona) und Axel Lindner (Universitätsklinikum Tübingen, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie und Hertie-Institut für klinische Hirnforschung, Universität Tübingen) haben gemeinsam mit Kooperationspartnern am California Institute of Technology (Colin Camerer und Richard Andersen) und an der Universität Pompeu Fabra in Barcelona (Rosemarie Nagel) untersucht, was bei der „Qual der Wahl“ im Gehirn vor sich geht. Die Probanden bei dieser Studie sollten sich für ein Fotomotiv entscheiden, dass auf ein Wunschprodukt gedruckt wurde, z.B. auf ein T-Shirt oder eine Kaffeetasse. Ihnen wurden unterschiedlich große Mengen an Bildern zur Auswahl gezeigt, 6 bis 24 Motive, und dabei die Aktivitäten im Gehirn per funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRT) gemessen.

Die Gehirnaktivität in den Basalganglien und dem anterioren cingulären Cortex (das sind Gehirnareale, die an Entscheidungsprozessen beteiligt sind) war immer dann am höchsten, wenn 12 Bilder zur Wahl standen. Damit bestätigen sie die bereits im Jahr 2000 durchgeführte „Marmeladenstudie“ von Sheena Iyengar und Mark Lepper. Hier stellten die Forscher fest, dass Konsumenten weniger Marmeladen gekauft haben, wenn die Auswahl zu groß wurde. Auch damals wurden zwischen 6 und 24 Sorten zur Wahl angeboten und die Menschen kauften mehr, je kleiner die Auswahl war.

Quelle: Universitätsklinikum Tübingen, Pressemeldungen